Ich war fast drei Jahrzehnte Fluglotse – im Tower und vor dem Radarschirm. In diesem Job war es ziemlich wichtig, gedanklich nie stehen zu bleiben. Abläufe wurden trainiert. Verfahren geübt. Fehler analysiert. Wissen aufgefrischt.
Denn wenn ein Fluglotse einen Fehler macht, ist „Wird schon irgendwie“ keine besonders gute Strategie.
Also lernt man: Was kann ich aus Fehlern lernen, was kann ich besser machen?

Das ist im Beruf eine ziemlich gute Frage.
Im Leben kann sie allerdings irgendwann ziemlich anstrengend werden.
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Denn genau das machen viele von uns heute ständig. Wir schauen auf uns und überlegen:
Was könnte besser sein?
Ich müsste mehr Sport machen. Gesünder essen. Weniger Alkohol trinken. Mehr schlafen. Weniger am Handy hängen.
Gelassener werden. Mehr für meine Beziehung tun. Mehr aus meiner Freizeit machen.
Und wenn wir dann endlich etwas davon umgesetzt haben, kommt schon die nächste Baustelle.
Da geht doch noch was.
Der Bauch könnte noch flacher sein.
Die Kondition noch besser.
Die innere Ruhe noch größer.
Und überhaupt könnte man aus sich selbst wahrscheinlich noch eine ziemlich beeindruckende Version 2.0 basteln.
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Fragst du dich manchmal : Wann bin ich gut genug?
Für wen eigentlich ?
Und wer entscheidet wann du gut genug bist ?

Vielleicht ist genau hier der Punkt, an dem Selbstentwicklung in Selbstoptimierung kippt !
Selbstentwicklung bedeutet: Ich möchte etwas lernen, weil es mir wichtig ist.
Selbstoptimierung sagt: Ich muss besser werden, weil ich so, wie ich bin, noch nicht richtig bin.
Das fühlt sich vielleicht ähnlich an.
Ist aber etwas völlig anderes.
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Und dann passiert etwas Verrücktes:
Wir versuchen, weniger Stress zu haben – und machen daraus gleich wieder ein Projekt.
Wir wollen entspannter werden , also lesen wir Bücher über Entspannung.
Hören Podcasts über Gelassenheit.
Messen unseren Schlaf.
Meditieren.
Tracken unsere Schritte.
Posten alles auf Instagram für Bestätigung !
Und irgendwann sitzen wir auf dem Sofa und denken:
Ist das alles anstrengend.
Entspann dich endlich, verdammte Scheisse !
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Vielleicht brauchen wir deshalb manchmal nicht noch eine Methode.
Nicht noch einen Podcast.
Nicht noch eine App.
Nicht noch einen Ratgeber.
Und vielleicht müssen wir uns auch nicht ständig fragen:
„Was kann ich noch an mir verbessern?“
Vielleicht reicht manchmal die viel unspektakulärere Frage:
„Was wäre, wenn ich gerade schon ganz okay und zufrieden bin?“
Nicht perfekt.
Nicht fertig.
Nicht optimiert.
Einfach nur okay.
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Als Fluglotse habe ich gelernt, ständig nach vorne zu schauen, doch manchmal tut es ganz gut, einfach mal dort zu bleiben, wo man gerade ist.
Ohne Kurskorrektur. Ohne Verbesserungsvorschlag.
Denn vielleicht ist Selbstoptimierung gar nicht die Lösung für unser Unbehagen.
Vielleicht ist sie manchmal der Auslöser.
Denk mal drüber nach.
Dein Gedankenlotse